Rückblicke - Eröffnung Reformationsjubiläum für Thüringen

Rückblick Presse - Eröffnung Reformationsjubiläum für Thüringen

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(Bild: TSK/Michael Reichel)

Mit ökumenischen Andachten, einem Bürgerfest und einem Festakt auf der Wartburg ist der Freistaat Thüringen gestern (10.11.), an Martin Luthers Geburtstag, in das Festjahr zum 500. Reformationsjubiläum 2017 gestartet. Es steht unter dem Motto „Luther 2017 – Stimmen der Reformation in Thüringen und Europa“. Die vielfältigen thüringischen Angebote im Jubiläumsjahr richteten sich nach Worten von Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) an die Bevölkerung ebenso wie an Gäste aus dem In- und Ausland. Unter den Gästen des Festaktes waren unter anderem die schwedische Erzbischöfin Antje Jackelén, die zur europäischen Dimension der Reformation sprach, sowie der frühere Schweizer Botschafter und Nationalrat Tim Guldiman. Ein besonderer Höhepunkt der Auftaktveranstaltung zum Reformationsjubiläum war die illuminierte Wartburg, die Szenen aus dem Leben Martin Luthers zeigte.  

Angebote richten sich an alle 

„Alle paar 100 Jahre haben wir eine Reformation nötig. Wir müssen immer bereit sein, uns und unsere Handlungen zu hinterfragen“, erklärte Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow bei der Eröffnung in Eisenach. Über Jahrhunderte hinweg sei die Reformation trotz aller Gemeinsamkeiten als abgrenzendes Ereignis gefeiert worden. „Die Vorbereitung auf dieses Jubiläum hat uns einen neuen Weg der Verständigung und Rücksichtnahme gewiesen“, betonte der Ministerpräsident. So seien interreligiöse Verständigung und der Dialog zwischen religiösen und säkularen Menschen heute wichtiger denn je.

Der Auftakt in Eisenach am Geburtstag des Reformators Martin Luther sei von großer symbolischer Kraft, betonte Ramelow. Traditionell werde dieser Tag in Thüringen von Katholiken und Protestanten, aber auch von vielen Menschen ohne ausdrückliches Bekenntnis bei den Martinsumzügen gefeiert. Eine ähnliche Akzeptanz erhoffe er sich auch von den Höhepunkten der kommenden zwölf Monate, der Ausstellung auf der Wartburg, den Kirchentagen auf dem Weg und der Landesgartenschau mit ihrem Garten Gottes in Apolda, so der Ministerpräsident.

Reformationsjubiläum gemeinsam feiern

Am späten Nachmittag zogen hunderte Kinder mit leuchtenden Lampions von der Georgenkirche zum Karlsplatz. Sie wurden dabei von den Bischöfen Ilse Junkermann von der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland und Ulrich Neymeyr vom katholischen Bistum Erfurt geleitet. Die Landesbischöfin stellte eine Besonderheit des Jubiläumsjahres in den Mittelpunkt: „Zum ersten Mal in der Geschichte unserer Kirchen feiern wir das Reformationsjubiläum gemeinsam mit Glaubensgeschwistern aus der katholischen Kirche und anderen christlichen Kirchen – gemeinsam als großes Christusfest.“

Erfurts katholischer Bischof Ulrich Neymeyr würdigte das Anliegen Martin Luthers, die damalige Kirche zu erneuern. „Leider kam es zur Kirchenspaltung, eine Wunde, die alle Christen schmerzen muss“, sagte Neymeyr. Umso positiver seien alle ökumenischen Bemühungen besonders in den vergangenen Jahrzehnten zu würdigen. Er sei „hoffnungsvoll und zuversichtlich, dass wir Christen durch das Gedenkjahr, das wir auch als Christusjahr begehen, zu tiefer Einheit finden werden.“

Wartburg erstrahlt in besonderem Licht

Vor dem Lutherhaus eröffnete Oberbürgermeisterin Katja Wolf (Linke) gemeinsam mit dem Ministerpräsidenten das Tor des Europäischen Stationenweges, der hier am 5. Mai 2017 Halt machen wird. Die Rathauschefin erklärte, dass der Weg europäische Reformationsstädte symbolisch miteinander verbinde und so die globale Dimension der Reformation deutlich mache.

Spektakulär und künstlerisch zugleich war das nächtliche Farbenspiel auf der Wartburg. Auf die Außenmauer der Festung wurden Szenen projiziert, die Luthers Leben und Wirken Revue passieren ließen. Außerdem wurden einige der 95 Thesen als Morsezeichen wiedergegeben. Zugleich war das Farbenspiel der Auftakt für den abendlichen Festakt mit 300 geladenen Gästen. Die schwedische Bischöfin Antje Jackelén wünschte sich, dass „das Jubiläumsjahr der Reformation im Zeichen echter Freiheit, breiter Bildung und tief empfundener Weltverantwortung“ stehe.

In Thüringen, das als Kernland der Reformation gilt, finden sich viele Lebensstationen des Reformators. Neben Wittenberg und Berlin gehört deshalb auch Eisenach zu den drei Standorten der Nationalen Ausstellungen zum Reformationsjubiläum. Am 4. Mai, dem Tag, an dem der Reformator vom Reichstag in Worms kommend zum Schein entführt und auf die Wartburg gebracht wurde, soll am historischen Ort die Schau „Luther und die Deutschen“ eröffnet werden.